Bitcoin, Fiat & Rock'n'Roll

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Wer digitales Geld verstehen will, muss zuerst unser aktuelles Geldsystem verstehen - Interview mit Manuel Klein

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How Will Blockchain Technology Transform the Current Monetary System?


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Kommentare

Hagen Pau
by Hagen Pau on
Ich konnte nicht ganz folgen, als gesagt wurde, "Münzen sind ein Asset-Geld, also keine Verbindlichkeit von einer anderen Institution und sind daher komplett außerhalb der Bilanzen geführt". Das ist, vorsichtig formuliert, missverständlich. Zum Nominalwert beim Finanzministerium angekaufte Euromünzen sind natürlich aktivierungspflichtig, sie werden im ESZB unter "Aktiva 11.1. Scheidemünzen" gebucht. Bei Nicht-Zentralbanken finden sie sich gemeinsam mit Banknoten unter Aktiva "Kasse". Die eigenen Banknoten, die eine ZB ohne Kosten und Mühe in beliebiger Menge herstellen kann, dürfen dagegen vernünftigerweise nicht aktiviert werden, weil dies eine völlig falsche Vorstellung von der Vermögenssituation schaffen würde. (Es erstaunt nicht, dass eine scheinbare Abweichung von dieser Regel, die Intraeurosystemsalden, zu erheblicher Verwirrung selbst in Fachkreisen geführt haben, man denke an die Diskussion über die Targetsalden.) Selbstverständlich sind Münzen keine Verbindlichkeit, das gilt aber wirtschaftlich für Banknoten genauso, worauf u.a. Martin Hellwig hingewiesen hat. Eine Geschäftsbank kann für Banknoten von der ZB nichts anderes fordern als Reserven, und für Reserven wiederum nichts anderes als Banknoten. Da Banknoten also keine Schuldscheine sind, nennen die Notenbanken des ESZB die Bilanzposition Passiva 1 sprachlich erfreulich sorgfältig "Banknotenumlauf" und nicht "Banknoten". Für Banknoten und Planeten gilt dabei gleichermaßen: sie sind nicht identisch mit ihrem Umlauf. Wenn also Banknoten und Reserven rechts in der Bilanz stehen, aber keine Verbindlichkeit gegenüber Dritten (Fremdkapital) darstellen, dann sind sie de facto eine Form von ... Eigenkapital. Gleiches gilt für Giroverbindlichkeiten der ZB gegenüber Geschäftsbanken und für die Intraeurosystemverbindlichkeiten sowieso. Und die "Billionenmünze"? Keine Regierung, jedenfalls keine europäische, könnte ihre Staatsschulden durch Prägung einer Billionenmünze tilgen, und zwar aus einem einfachen Grund: es ist verboten (im Eurosystem müssen sich die Finanzministerien den Münzschlags von der EZB genehmigen lassen). Wäre es erlaubt, wäre also die Monetarisierung von Staatsschulden legal, dann wäre die Prägung einer Billionenmünze trotzdem ein unsinniger und kostspieliger Umweg, da die Staaten sich dann ganz einfach das Geld auf ihrem ZB-Konto gutschreiben lassen würden. Die Zentralbank würde dann, falls nötig, in der Bilanz die Position "Eigenkapital" von der rechten in die linke Spalte schieben ("Aktivierung von negativem EK") und ansonsten ihren Geschäften wie gewohnt nachgehen. Zum Abschluss noch ein Hinweis auf einen anderen vebreiteten Irrtum. Auch wenn Ökonomen dafür eine Vorliebe haben, sollte man dennoch vorsichtig sein, aus Bestandsgrößen (z.B. von Basis- und Giralgeld) auf Flussgrößen (Umsatz) zu schließen. Knapp 80% aller Transaktionen werden in Deutschland bar beglichen, und der Anteil von Barzahlung am gesamten Umsatz hat erst mit Corona die 50%-Marke unterschritten. Auch wenn die Bargeldnutzung in anderen Staaten des Eurosystems niedriger liegt, wäre es noch verfrüht, dem Bargeld die Totenglocken zu läuten. Deshalb haben Zentralbanken, auch wenn das Verschwinden von Bargeld für sie tiefgreifende Folgen hätte, für Torschlusspanik zur Einführung einer CBDC als Bargeldersatz keinen Anlass. Mit freundlichen Grüßen Hage.Pau@gmail.com
Ole
by Ole on
Danke für diesen umfangreichen Beitrag! Hatte bei meinem Studium die gleichen sturen Professoren... Zum letzten fachlichen Absatz: Du sagst, es sei gefährlich bei 100%-Geld, dass sich Zentralbanken de facto Risiken in die Bilanzen holen. Da stimme ich dir zu, das ist evident. Andererseits haben wir bei Fiatmoney und der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken das Problem, dass diese inzwischen als zu "top big too fall" gelten; somit also durch die Zentralbanken gerettet werden, also die füllen Kredite ohnehin am die Zentralbank und damit an die Steuerzahler verantwortet werden. Nur die, wie du sagst "erträglichen" Margen der Banken sind nicht vergesellschaftet ( und wegen Steueroasen und Bankgeheimnis (selbst) gegenüber Finanzbehörden im Gegenteil einer Besteuerung entzogen). Wenn den Geschäftsbanken das Geschäftsmodell der Geldschöpfung entzogen wird, beschäftigt man einfach die vielen k kompetenten Banker zu normalen Gehältern bei der Zentralbank als Kreditprüfer; das wäre doch kein Problem...?!

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